Kochausbildung wird digital

Förderprojekt Inklusive Küche 4.0 für Menschen mit Behinderungen in der Prignitz gestartet

Das Rührei war dem angehenden Küchenpraktiker im ersten Anlauf noch zu kompakt geraten, es erinnerte mehr an ein Omelett. Da half in der Lehrküche des Oberstufenzentrums Prignitz nur die Nachfrage bei der Ausbilderin, wie das Gericht lockerer gelingen kann.

In einigen Monaten könnten digitale Helfer einem solchen Fehlversuch vorbeugen. Denn den angehenden Küchenpraktikern sahen gestern neben den Ausbildern auch Mitarbeiter des Berufsbildungszentrums Prignitz (BBZ), der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Lebenshilfe und des Landkreises Prignitz über die Schulter.

Der Besuch in der Lehrküche bildete den Auftakt des Projektes „Inklusive Küche 4.0“. Die Partner wollen über digitale Hilfsmittel und die Entwicklung diverser Ausbildungsmodule die Möglichkeit schaffen, dass Menschen mit Behinderungen eine höhere Qualifikation als den bisherigen Fachpraktiker Küche erwerben können. Zugleich sollen sie auf diesem Weg zumindest in Teile der regulären Ausbildung im OSZ integriert werden. Das Vorhaben mit dem sperrigen Titel „Bildungs- und Barrierefreiheit durch Digitalisierungsinstrumente in der beruflichen Ausbildung“ wird durch das Bundesbildungsministerium, die EU und den Europäischen Sozialfonds gefordert. Damit betreten die Partner bundesweit Neuland. Die speziellen Ausbildungsinhalte werden vom OSZ Prignitz und der Hochschule mit Unterstützung des BBZ entwickelt. Parallel wird geeignete digitale Unterstützungstechnik ausgewählt. Sie soll Menschen mit Behinderungen helfen, theoretische Inhalte und Abläufe besser zu erfassen und sie auch in der Küche abrufen zu können.

Die Module werden an den individuellen Zeit- und Hilfsbedarf von Menschen mit Behinderungen angepasst. Das zunächst auf drei Jahre befristete Projekt soll auch den Fachkräftemangel in der Region mindern helfen. „Es soll Menschen mit Behinderungen helfen, über eine bessere Qualifikation einen Arbeitsplatz in Firmen zu finden, bei dem sie sichwohlfühlen“, sagte Silvaine Kuhn von der Projektleitung.

Im Januar wird ein zusätzlicher Mitarbeiter am OSZ eingestellt, der bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Module mit der Hochschule und dem BBZ zusammenwirkt und die Koordinierung des Projektes innerhalb der Ausbildungseinrichtungen und den Partnern übernimmt. So schafft das OSZ auch Voraussetzungen, die neue Ausbildungsmöglichkeit über den Projektzeitraum hinaus weiterfiihren zu können.

„Zum Projekt gehört, dass einige unserer Ausbilder im Umgang mit digitalen Medien und Hilfsmitteln weitergebildet werden. Das kommt auch anderen Ausbildungen zugute“, erläuterte der Leiter des OSZ, Jan Meyerhoff. Voraussichtlich erhält die Einrichtung über das Projekt auch zusätzliche Technik. Die Erfahrungen bei der Gestaltung der „Inklusiven Küche 4.0“ sollen mittelfristig fiir die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen in anderen Berufen und die inklusiver Ausbildung überhaupt genutzt werden.

Quelle: Ronald Ufer, „Der Prignitzer“ vom 14. November 2018, S. 11